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Eine Ode auf Gösser

Dienstag, September 1st, 2015

Als ich vor einigen Jahren in Österreich weilte, verkostete ich ein Radler der Marke Gösser. Der Trick ist, der Limonadenanteil dieses Radlers schmeckt nicht nach Sprite-Quatsch, sondern beachtlich fruchtig. Angetan vom Wohlgeschmack nahm ich zwei Flaschen mit nach Hause. Rechtschaffen erschöpft nach einem Umzug gönnte ich mir eine Flasche davon und erklärte feierlich, ich habe es extra aus Österreich für diesen besonderen Moment importiert. Worauf mein Bruder trocken bemerkte: „Das gibts doch bei uns im Späti.“.IMG_20150819_191234

Damals mag es nur ein Späti an der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg gewesen sein. Spätestens im heurigen Sommer aber hat sich einen festen Platz in den Spätis aller Berliner Hipserbezirke erobert. Ansammlungen von Feierwilligen oder Pfandflaschen kommen selten ohne Beimengungen diese Sorte aus. Der Erfolg treibt eine ganze Kategorie „Naturradler“ vor sich her. Nur Supermärkte zögern noch.

Die Stärke von Gösser Radler liegt meiner Meinung darin, dass es einfach nicht nach Bier schmeckt, sondern wie ein leckerer Softdrink. Denn geben wir es zu: Bier schmeckt nicht. Die Minderwertigkeit von Bier erkennt man allein daran, dass es in Gaststätten billiger als Softdrinks ist, ohne Eingriff des Gesetzgebers sogar oft billiger als Wasser wäre! Bier ist im wesentlichen vergorenes Wasser. Die enorm priviligierte gesellschaftliche Bedeutung dieses Getränks beruht allein darauf, dass im Mittelalter den Keimen im Trinkwasser nur mit Gärung beizukommen war. Seitdem ist unser Unterbewusstseins auf Bier fehlprogrammiert.  Mit Gösser Radler kann man dem Unterbewusstsein das gute Gefühl geben, nicht durch Keime vergiftet zu werden, während man gleichzeitig den Biergeschmack nicht ertragen muss.

Aber natürlich kann auch das nur eine Zwischenlösung sein, um uns endlich von dieser dunklen, mittelalterlichen Bierepoche zu lösen. Schaffen wir eine bessere Welt ohne Bier, damit Hass und Gewalt von den Straßen verschwinden, Frauen des Nachts wieder ohne Furcht wandeln können und Kinderlachen allenthalben ertönt. Danke Gösser, für diesen Anfang!