Gestern wurde die Sendung KenFM von Ken Jebsen auf Radio Fritz des rbb kurzfristig abgesetzt.

Laut Jebsen ist diesem Vorgang ein Brief von Henryk M. Broder an den rbb vorausgegangen, in dem Ken Jebsen bezichtigt wird, den Holocaust zu leugnen. Als “Beweis” veröffentlicht Broder eine private Nachricht, die von Jebsen geschrieben wurde.

Darin geht es zwar tatsächlich um den Holocaust. Allerdings leugnet Jebsen nicht den Holocaust, im Gegenteil. Jebsen legt dar, mit welchen Mitteln er ausgeführt wurde. Er schreibt, dass der Holocaust nach dem Muster moderner PR-Kampagnen von Goebbels geplant wurde. Dieser habe sich an den Prinzipien für eine erfolgreiche PR-Kampagne an dem “Vater der Public Relations”, Edward Bernays orientiert. Wikipedia dazu:

Joseph Goebbels benutzte Bernays Buch Crystallizing Public Opinion, um die antijüdische Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland aufzubauen.
Wikipedia: Edward Bernays, Einfluss auf Joseph Goebbels

Jebsen legt weiterhin dar, dass die Nationalsozialisten zur Planung des Holocaust die Rassendaten mit Hollerithmaschinen von IBM erfasste. Wikipedia dazu:

Es wurde z. B. im Lohnauftrag die „Großdeutsche Volkszählung” durchgeführt, bei der auch die „rassische“ Abstammung erhoben wurde. Kunden waren neben den statistischen Ämtern und der Industrie unter anderem die Wehrmacht und die SS. Auch die Organisation des Holocaust durch die Nationalsozialisten erfolgte mit Hilfe der durch die IBM-Tochter vermieteten weiterentwickelten Lochkartensortiermaschinen.
Wikipedia: DEHOMAG, Zeit des Nationalsozialismus

Jebsens ganze Mail ist offenbar flüchtig geschrieben, voller Fehler und enthält einige problematische Aussagen. Zudem wird nicht klar, warum er es schreibt, da das Gegenstück der Kommunikation nicht vorliegt. Ich persönlich stimme mit den Beiträgen von Jebsen nicht immer überein, z.B. was seine Position zum Libyen-Krieg angeht. Der Punkt ist aber, dass Jebsen nicht den Holocaust leugnet, wie es mit dem aus dem Kontext gerissenen Zitat “ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat” belegt werden soll. Egal wie man zu seinen Beiträgen steht: man sollte nicht zulassen, dass mit solchen Verleumdungen die Entfernung eines Moderator mit unliebsamen Meinungen vorangetrieben werden kann. Das ist ein Punkt, an dem man protestieren sollte.

Leider grenzen sich viele zu wenige von einer Szene ab, die viel zu oft auf die Etablierung von Lügen und Schmutzpropaganda setzt, um ihre Ziele zu erreichen. Jedem, dem etwas an zukünftiger Debattenkultur gelegen ist, sollte diese Szene mit ihren Methoden ächten oder ihr zumindestens eine gesunde Skepsis entgegenbringen.