Eine Geschichte, wie ich mal mit der Katze im Hinterhof war und wie es dann außer Kontrolle geriet.

Die arme Wohnungskatze. Den ganzen Sommer über war sie nur ein paar mal draußen. An einem der letzten schönen Tage im Jahr sollte ich also wenigstens noch einmal mit ihr in den Hinterhof, damit sie mal was anderes sieht. Ich nehme sie also mit runter in den Hinterhof, lasse sie frei und höre einen Podcast.

Später ist es an der Zeit, aufzubrechen. Die Katze ist gelangweilt und wieder in der Box. Ich packe zusammen, nehme die Box und gehe zum Kellereingang, durch den ich den Hinterhof verlassen will. Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln etwas vor mir nach rechts zur Seite huschen. Ich gehe um das Gebüsch und dort steht sie, die Andere Katze, die Katze, die den Hinterhof bewohnt. Ich denke, prima, können sich die beiden doch mal kennenlernen. Die Katze kennt die Andere Katze nur vom aus dem Fenster gucken, von weit oben, und das ist ja kein richtiges Kennen, eher vermutlich so wie Internet bei Menschen.

Ich stelle also die Box hin, mit der offenen Tür zu der Anderen Katze. Langsam kommt die Katze raus, und die Andere Katze wird sehr aufmerksam. Die Katze aber scheint relativ gleichgültig, sie schaut zwar ein bißchen die Andere Katze an, aber auch lange zur Seite. Sie ist als Wohnungskatze überhaupt keine anderen Katzen gewöhnt. Während die Katze wegguckt, schleicht sich die Andere Katze an. Und ich denke noch so: das musst Du doch merken, Katze, dass die Andere sich anschleicht. Mir ist ein bißchen unwohl, immerhin ist die Katze behindert und eine Wohnungskatze. Einer kampferprobten Straßenkatze ist sie hilflos ausgeliefert. Aber ich habe noch meine Decke, die ich notfalls nach der Anderen Katze werfen kann. Die Katze jedenfalls ist echt gleichgültig, sie interessiert sich vielmehr für die Gruppe von Gartenzwergen, schleicht zu ihnen und schnuppert arglos. Dann geht sie langsam Richtung Gebüsch, die Andere Katze schleicht hinterher, und das ist nicht so gut, denn die hat bestimmt keine guten Absichten. Ich laufe auch hinterher, aber die Katze wird nur schneller. Die Katze verschwindet im Gebüsch und ich kann nicht hinterher, denn da ist es zu dicht. Ich muss zurückgehen, um einen Bogen zu schlagen, da höre ich schon Fauchen und das wilde Schreien eines Katzenkampfes. Ich renne nun durchs Gebüsch auf den Lärm zu und ich sehe die Andere Katze nach rechts preschen. Die Katze aber rennt geradeaus vor mir weg und ich denke, das ist jetzt langsam nicht gut, es wird ja auch schon dunkel und ich kann sie kaum ausmachen. Dann bleibt die Katze am Zaun sitzen und ich sehe, dass ein Stückchen weiter unter dem Zaun freigebuddelt ist, dass sie da durch könnte und das wäre überhaupt nicht gut, denn die Andere Katze ist ja vermutlich auch noch auf der Jagd nach ihr. Die Katze sitzt da und ich hole das Trockenfutter aus der Jackentasche und klimpere damit, aber davon läßt sie sich nicht beeindrucken. Ich halte es ihr hin und komme gebückt langsam näher. Dann flieht sie wieder, durchs Gestrüpp, ich hinterher, versuche sie zu fassen, Brennesseln treffen meine Hände, an einer Stelle blutet es, aber das merke ich erst hinterher. Langsam kriege ich Panik, wie die Katze offenbar auch. Ich habe keine Ahnung, wie ich sie kriegen soll und wie lange das noch so gehen soll und ob die Andere Katze sie erwischt, wenn ich nicht hinterherkomme. Aber dann wirft sie sich auf den Rücken in Verteidigungshaltung und ich werfe die Decke auf sie und versuche sie damit zu fassen, sie wehrt sich heftig. Ich würde ungern meine bloßen Hände ins Spiel bringen, die haben schon Erfahrung mit ihren Krallen gemacht, allerdings macht die Decke die Katze wahrscheinlich noch panischer. Sie schreit wie im Todeskampf, vermutlich wähnt sie sich auch in einem, sie windet sich mit dem ganzen Körper, sie entwindet sich und läuft wieder. Es ist inzwischen schon ziemlich dunkel, erst recht hier, ich sehe sie nur als Schemen zwischen den Pflanzen. Dann ist sie wieder auf dem Rücken. Ich denke, diesmal gilt es, ich kann sie nicht entkommen lassen, wieder mit der Decke, ein wahnsinniger Kampf, quälend lautes Geschrei von der Katze, ich muss mit aller Kraft zupacken, sie windet sich wie eine Robbe, entgleitet fast, endlich habe ich sie oben. Es ist dunkel und ich kann sie nicht sehen und ich frage mich kurz, ob es überhaupt die richtige Katze ist, aber jede andere hätte ich vermutlich nicht so schnell erwischt, so einfach hat sie es ja auch nicht mit ihrer Behinderung in unbekanntem Gelände. Als ich sie oben habe, ist sie plötzlich völlig ruhig. Ich trage sie zur Box und tue sie ohne Gegenwehr hinein, schließe die Tür und atme tief durch.

Also, wenn man sowas zusammen durchmacht, mit so ner Katze, also, das schweißt ja schon irgendwie zusammen.

Anmerkung: Ich verwende Katze im generischen Feminina. Das stellt ledglich die Gattungsbezeichnung dar, Kater sollen damit nicht ausgeschlossen werden.