Wie man hört, besteht der Kern der Sucht nach sozialen Medien keineswegs darin, etwas über andere zu erfahren, sondern vielmehr Bestätigung und soziales Feedback zu bekommen. Das neue Netzwerk Amen scheint diese urmenschliche Triebfeder gleichsam in-a-Nutshell herauszusezieren und in konzentrierter Form als Motivator zu verwenden. Denn die Zustimmung hat hier einen zentralen Platz.

Auf Amen kann man nicht viel mehr tun, als einfache Aussagen in den Raum zu werfen sowie solchen zustimmen oder sie mit einer Gegenthese zu versehen. Die Aussagen bekommen durch den unveränderlichen Kern „is the Best“ oder „is the Worst“ leicht den Charakter einer Meinung. Je mehr Amens die eigenen Aussagen als Zustimmung erhalten, desto mehr kann man sich als Meinungsführer fühlen. Am Anfang ist nicht ganz klar, wozu dieser Dienst dienen soll und von offizieller Seite gibt es dazu auch keine Hinweise. Aber stand das dem Erfolg sozialer Netzwerke jemals im Wege?

Die bestehenden Aussagen in der Beta-Phase haben zunächst die übliche Mischung aus Ironie, persönlichen Aussagen und Empfehlungen. Die Kategorisierung in Things, Places und People hinterässt jedenfalls den Eindruck, dass es als Bewertungs- und Empfehlungsplattform gedacht ist. Wenn Twitter Informationen auf Steroid ist, dann könnte die starke Verkürzung der Aussagen auf einen Meinungskern Amen zu einer Empfehlungsplattform auf Steroid machen.

Einerseits wird man sich von Dingen und Plätzen, die Freunde empfehlen oder vor denen sie warnen, inspirieren lassen können, ähnlich wie bei Blippy.

Andererseits könnte man sich durch die Statistik zu vielen kleinen, nebenbei abgegebenen Aussagen zu einem Platz eine Meinung bilden, statt sich durch 10 Restaurantkritiken auf Qype zu wühlen und versuchen herauszufinden, ob der Verfasser eines Verrisses einfach ein Irrer ist, ganz andere Ansprüche hat oder genauso tickt wie man selbst. Das ist vielleicht nicht unbedingt die fundiertere Bewertung, aber deutlich schneller – und das ist, was heutzutage zählt. Gerade mobil.

Ob durch Amen Hypes schneller und besser sichtbar werden bleibt abzuwarten. Aber wenn Amen es tatsächlich schafft, eine hohe Aussagenmenge zu Dingen und Plätzen zu akkumulieren, dann könnte es durchaus nützlich werden.