Lieber St. Henes,

@xbg 1. Warum das Peitschenhandelbild ohne Kontext? 2. Warum an Diskussion um @piratenweib beteiligen? Lasst Mensch doch Mensch sein.‚Fri Oct 15 17:17:12 via web

ich war etwas überrascht von Deinem Tweet an mich. Dort stelltest Du mir zwei voneinander unabhängige Fragen, hübsch durchnummeriert, und obendrauf gabs noch einen tollen Ratschlag fürs Leben. Ich staune immer noch, wie das alles überhaupt in einen Tweet passt und dazu noch so nahtlos! Um ein bißchen von meiner Überraschung an Dich zurückzugeben, antworte ich darauf einfach hier in meinem Blog. Ich muss sowieso etwas ausholen.

Die erste Frage lautete, wieso ich ein Peitschenhandelbild ohne Kontext postete. Nun, ich tat dies aus dem Grund, warum ich auch Streetart poste: ich finde ab und zu Dinge in meiner Umwelt interessant und manchmal fotografiere und twittere ich sie eben. Zudem fand ich es recht ungewöhnlich, dass es da einen Peitschenhandel gibt. (Jedem vernünftigen Menschen muss klar sein, dass Peitschen gehandelt werden müssen und dass es zu diesem Zweck einen Peitschenhandel geben muss. Dennoch, wenn man unvorbereitet drüberstolpert, stutzt man erstmal einen Moment.) Nicht mehr und nicht weniger. Man mag es zu Recht für banal halten. Ich verstehe auch, dass man sich unter Umständen über die verschwendete Zeit ärgert, nachdem man auf das Bild klickte und nicht weiss, was das soll. Bei diesen Leuten möchte ich mich natürlich entschuldigen.

Aber auf der anderen Seite – das möchte ich zu meiner Verteidigung anmerken – finde ich es immer noch interessanter als die x-te Frühstücksfotografie. Das Peitschenhandel-Bild ist doch immerhin potentiell in der Lage, bei Menschen mit etwas Phantasie Fragen und Gedanken anzuregen. Und wer Spaß daran hat, kann sogar dem Peitschenhandel hinterhergooglen, wie es tatsächlich ein netter Follower gemacht hat. Ich will es nicht überstrapazieren, aber das sollte man auch bedenken.

pi·ra·ten·wei·ben, v.: nach dem Verschicken von Abmahnungen leichtherzig in den Urlaub fahrenFri Oct 15 17:11:01 via TweetDeck

Die zweite Frage war, warum ich mich an der Diskussion ums Piratenweib beteilige. Nun, ich denke nicht, dass ich mich wirklich an der Diskussion beteiligt habe. Ich hätte ja was zur Sache sagen können („Die Abmahnungen waren doof!“, „Die Abmahnungen waren voll gerechtfertigt!“ oder „Wer das Piratenweib trollt, ist ein böser Menschen!“). Aber das habe ich gar nicht.

Ich habe lediglich die erstaunliche Launigkeit kommentiert, mit der sie statt einer netten Mail Abmahnungen verschickt, sich anschließend vom Internet abkoppelt – um sich später über einen Shitstorm zu wundern. Ich meine Abmahnungen sind empörungspotentialmäßig ungefähr das netzäquivalent zu Kinderschändung und es wurden schon viele Abmahner von Shitstorms überrollt. Es kommt in Naivitätskomik-Klassen gemessen so lustig wie die Putzfrau, die später sagen wird „Ach der rote Knopf hat den Atomkrieg ausgelöst? Ich wollte ihn doch nur saubermachen!“.

Wenn man Piratenweibs Verhalten als Chuzpe interpretiert, dann ist auf der anderen Seite wiederum sehr beeindruckend. Wie auch immer, in jedem Fall fand ich die Vorstellung lustig, diese Tätigkeit würde als „piratenweiben“ in die deutsche Sprache eingehen. Spontan, wie man manchmal Dinge halt so twittert.

Ich hoffe Deine Frage ist damit erschöpfend geklärt. Für den Tipp, Mensch mal Mensch sein zu lassen, bedanke ich mich. Aber ich fürchte leider, er könnte etwas zu spät kommen.

Ich glaube es würde mir leichter fallen, Frauen nicht als Objekte zu sehen, wenn ich Menschen allgemein nicht als Objekte sehen würde.Tue Sep 21 09:02:37 via TweetDeck