Es ist nur Twitter, was bin ich froh, dass ich mein Ego nicht an Followern messen muss, wie so mancher hier! [Wattebällchen schmeiss]Di, 22. Juli 2010 10:51 via web

Solangsam macht mir das keinen Spaß mehr! Mich verlassen Follower der ersten Stunde. Alles Liebe und Good bye, war schön @FrauKupferblauDi, 22. Juli 2010 19:14 via Power Twitter

So sehr die Twitterer auch schwören mögen, dass es ihnen keinesfalls um die Follower gehe, so schmerzhaft kann es machmal doch sein, entfolgt zu werden. Davon legen diese beiden Tweets – im Abstand von lediglich 9 Stunden geschrieben – beredt Zeugnis ab. Nicht umsonst ist dies auch die Todesursache des Opfers im Twitterkrimi „Der Entfolger“.

Zwar nimmt – nach allem was man hört – der gewöhnliche Top-Twitterer sehr lässig die Entfolgung durch ihm unbekanntes Kroppzeug hin. Schließlich ist oberhalb einer bestimmten Followerzahl eine ständige Fluktuation Normalität und wird nur noch wie das Gewimmel in einem belebten Taubenschlag wahrgenommen. Hauptsache der Trend weist aufwärts.

Dennoch – so vermute ich – gibt es selbst im Kopf der coolsten Elite-Twitterer einen bestimmten Personenkreis, bei dem eine Entfolgung Emotionen auslöst. Mögen es andere tolle Alpha-Twitterer sein, langjährige Folger oder einfach jemand, zu dem man sich eine besondere geistige Verbindung halluzinierte.

Was bei der legendären @elsebuschheuer im Juni 2009 noch so leichtfüßig klang:

Ich folge nach dem Lust-, nicht nach dem Gefälligkeitsprinzip. Ständig überprüfe ich diesen Kreis, wähle ab, wähle neu, so wie jemand, der sich einen hochkomplizierten Diätplan zusammenstellt.

wurde offenbar schließlich zur Qual. Ein halbes Jahr später zerschlug sie den gordischen Knoten aus dem Gejammere enttäuschter Ex-Gefolgter, in dem sie radikal alle entfolgte. Vielleicht der richtige Anlaß, Jungtwitterern nochmal die sog. Bordell-Doktrin ans Herz legen:

Selbstverständlich behandle ich Eure Follows/Unfollows diskret! Will ja niemanden vom Besuch dieses kleine Twitter-Bordells abschrecken.Di, 26. Januar 2010 17:23 via TweetDeck

Aber nicht nur das entfolgt werden, sondern auch das Entfolgen kann alles andere als einfach sein. Kandidaten, bei denen beim besten Willen keine Mühe mehr zu erkennen ist, einen sinnvollen Beitrag zur eigenen Timeline beizusteuern, spüren oft auf geheimnisvolle Weise, dass sie zur Entfolgung vorgemerkt sind. Prompt finden sie eine Methode, sich über freundliche Reply oder exzessives Faven zurück ins eigene Twittererherz zu schmeicheln. Oder Twitterer, deren frischverliebtes Geturtele kaum auszuhalten ist, geloben doch noch Besserung. Und nur selten macht es einem jemand einfach mit dem Entfolgen, so wie in diesem (tatsächlich geschehenen) Fall:

Es ist nie leicht, jemanden zu entfolgen – außer er retweetet mir den unlustigen Dieter Nuhr in die Timeline.Mo, 21. Juni 2010 16:24 via TweetDeck

Das ist dann wirklich ein Glücksfall.

Wenn man entfolgt wurde, gilt das Zurückentfolgen zu Recht als unsouverän. Schließlich sollte man der reinen Lehre zufolge Twitterern nur aufgrund ihrer Tweets folgen. Manchmal kann es sogar vorkommen, dass man Entfolgern erst recht folgt. Das sieht vielleicht nach Schleimerei aus, hat aber nur den banalen Grund, dass ein Unfollow mehr Aufmerksamkeit als ein Follow erzeugt, gerade in Phasen, in denen viele Follower hinzukommen. Beim sorgfältigen Durchschauen des Accounts stellt man dann vielleicht fest, dass derjenige doch folgenswert ist.

Lediglich @saschalobo beherrscht die Sonderform des noch nicht mal Ignorierens. Als ich ihn einmal aufgrund der fiesen Steuerung meines Mobilgerätes aus Versehen entfolgte, wurde ich prompt zurückentfolgt. Hatte sich der Twitterpapst die Mühe gemacht, mich unbedeutenden Wurm persönlich zurückzuentfolgen?

Nun, ich glaube nicht. Ich glaube, @saschalobo hat Mechanismen, Automaten und Lakaien am Start, die das für ihn erledigen. Diese Strategie ermöglicht sowohl das Ignorieren auf persönlicher Ebene als auch den präzisen Gegenschlag gleichzeitig. Genial!

Update: Beim letzten Absatz handelt es sich um eine haltlose Spekulation meinerseits, die in den Kommentaren entschieden zurückgewiesen wird.