Wenn zwei das gleiche sagen ..

Die Zeiten werden zunehmend identitärer. In Folge wird wichtiger, wer etwas sagt, als was er sagt. Das treibt bisweilen merkwürdige Blüten. Zum Beispiel gerade bei der These, die besagt, dass die Phänomene Trump/AfD u.a. auch eine Gegenbewegung zu den Shitstorms der „Political Correctness“ seien.

Das hat Sascha Lobo in einer SPON-Kolumne formuliert:

Es trifft einen essentiellen politischen Punkt, der für Trumps Erfolg entscheidend ist. Das Gefühl, nichts mehr sagen zu dürfen, aus Gründen der ‚Political Correctness‘. […] Und dabei dringen diese Kommunikationsregeln für die große, massenmediale Öffentlichkeit bei allen Leuten auch in die gefühlt private, digitale Kommunikation.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-vorwahl-sascha-lobo-erklaert-donald-trumps-erfolg-in-drei-tweets-a-1090742.html

Und das hat auch Jan Fleischhauer in einer SPON-Kolumne formuliert:

„Ein Satz reichte, um aus dem weithin geschätzten Politiker einen ‚Grabscher‘ zu machen, eine traurige Witzfigur aus der ‚Vor-Moderne‘ (‚Stern‘), an dem sich jeder abarbeiten durfte, der über einen Twitter-Account verfügte. […] Wenn es einen Moment gibt, an dem die neue soziale Bewegung ihren Ausgang nahm, deren sichtbarster Ausdruck die AfD ist, dann in der Brüderle-Affäre. […] Sie sind es einfach leid, dass aus jedem Ausrutscher ein Skandal gemacht wird, weil irgendwelche Anti-Diskriminierungs-Aktivisten den Alarmknopf drücken.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/political-correctness-der-rueckschlag-fleischhauer-kolumne-a-1091540.html

Die Kernthese ist die gleiche: Kleine oder private Anlässe können heute eine im Verhältnis unangemessen erscheinende Skandalisierung an der Öffentlichkeit nach sich ziehen, mit unkalkulierbaren Folgen für den einzelnen. Die neuen rechten Bewegungen profitieren davon, dass Menschen dieses Phänomen leid sind, ohne eine seriösere Andockgelegenheit zu finden als Trump/AfD. Ob die These richtig ist, sei dahingestellt. Klar ist auch, dass beide Autoren sie aus verschiedenen Blickwinkeln und unterschiedlichen Betonungen (Technik bei Lobo, Mensch bei Fleischhauer) beleuchten. Unbestreitbar ist aber, dass es im Kern um die gleiche These geht.

Wie wenig argumentativ interessiert und wie stark identitär orientiert die Netzgemeinde inzwischen ist, zeigt sich daran, auf welche Weise die Kolumnen bewertet werden. Während Lobos Kolumne eine „kluge Analyse“ ist, zeugt Fleischhauers Kolumne von „überragenden Drogen“, er sei „irrlichternd“ und „verwirrt“ – und ja, das kommt teilweise von der selben Person. Sorry, die These muss niemanden überzeugen, aber please get a grip und orientiert euch konsistent und inhaltlich, statt sektiererische Identitätspolitik zu veranstalten. Damit wäre dem Netz schon sehr geholfen.

Update: Der Autor Sascha Lobo weist darauf hin, dass er durch meine Auswahl der Zitate den Sinn seiner Kolumne auf den Kopf gestellt sieht und dadurch meine Zusammenfassung seines Inhalts nicht mehr gedeckt ist. Entscheidender Unterschied sei z.B. in diesen Stellen zu finden:

„Gleichzeitig haben soziale Medien durch ihre schnelle Verbreitung und die Reichweite über das engste soziale Umfeld hinaus bewirkt, dass kontroverse und erst recht menschenfeindliche Äußerungen Gegenwind erfahren. Das ist aus meiner Perspektive gut, weil Widerspruch gegen Menschenfeindlichkeit ein wichtiges Instrument der Zivilgesellschaft ist. Aber Leute wie Trump- oder AfD-Wähler interpretieren Widerspruch als gefühltes Verbot. Dahinter stehen völlig verschobene Maßstäbe rund um den Begriff Meinungsfreiheit, denn „Man darf nicht mehr x sagen“ müsste eigentlich heißen: „Man kann nicht mehr x sagen, ohne dass jemand widerspricht.“

Wer früher in seinem Wohnzimmer rassistische Witze gemacht hat, unwidersprochen, ungestraft, der kann genau das in seinem neuen, digitalen Wohnzimmer eben nicht mehr tun, ohne Konsequenzen zu fürchten. Persönlich finde ich das richtig, aber das ändert ja nichts daran, das als Einschränkung der persönlichen Kommunikation zu empfinden. Dieses Gefühl eint Rechtspopulisten auf der ganzen Welt.“

Eine Ode auf Gösser

Als ich vor einigen Jahren in Österreich weilte, verkostete ich ein Radler der Marke Gösser. Der Trick ist, der Limonadenanteil dieses Radlers schmeckt nicht nach Sprite-Quatsch, sondern beachtlich fruchtig. Angetan vom Wohlgeschmack nahm ich zwei Flaschen mit nach Hause. Rechtschaffen erschöpft nach einem Umzug gönnte ich mir eine Flasche davon und erklärte feierlich, ich habe es extra aus Österreich für diesen besonderen Moment importiert. Worauf mein Bruder trocken bemerkte: „Das gibts doch bei uns im Späti.“.IMG_20150819_191234

Damals mag es nur ein Späti an der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg gewesen sein. Spätestens im heurigen Sommer aber hat sich einen festen Platz in den Spätis aller Berliner Hipserbezirke erobert. Ansammlungen von Feierwilligen oder Pfandflaschen kommen selten ohne Beimengungen diese Sorte aus. Der Erfolg treibt eine ganze Kategorie „Naturradler“ vor sich her. Nur Supermärkte zögern noch.

Die Stärke von Gösser Radler liegt meiner Meinung darin, dass es einfach nicht nach Bier schmeckt, sondern wie ein leckerer Softdrink. Denn geben wir es zu: Bier schmeckt nicht. Die Minderwertigkeit von Bier erkennt man allein daran, dass es in Gaststätten billiger als Softdrinks ist, ohne Eingriff des Gesetzgebers sogar oft billiger als Wasser wäre! Bier ist im wesentlichen vergorenes Wasser. Die enorm priviligierte gesellschaftliche Bedeutung dieses Getränks beruht allein darauf, dass im Mittelalter den Keimen im Trinkwasser nur mit Gärung beizukommen war. Seitdem ist unser Unterbewusstseins auf Bier fehlprogrammiert.  Mit Gösser Radler kann man dem Unterbewusstsein das gute Gefühl geben, nicht durch Keime vergiftet zu werden, während man gleichzeitig den Biergeschmack nicht ertragen muss.

Aber natürlich kann auch das nur eine Zwischenlösung sein, um uns endlich von dieser dunklen, mittelalterlichen Bierepoche zu lösen. Schaffen wir eine bessere Welt ohne Bier, damit Hass und Gewalt von den Straßen verschwinden, Frauen des Nachts wieder ohne Furcht wandeln können und Kinderlachen allenthalben ertönt. Danke Gösser, für diesen Anfang!

Über Tweetklau

Ich erinnere mich noch gut: Ich fahre für einen Videoabend mit der U8 bis Boddinstraße. Das übliche während der U-Bahn-Fahrt. Jemand telefoniert, ein kryptisches Gespräch, ich tippe einen Tweet und sende ihn ab, sobald ich auf der Straße wieder Empfang habe. Danach widme ich mich dem Film und bekomme von der Twitterwelt nicht viel mit, denn da hatte ich noch ein Urgetüm von Smartphone, auf dem man nicht zwangsläufig merkt, wenn irgendjemand einem was favt oder retweetet. Erst später bemerkte ich, dass dieser Tweet wohl irgendwie (für meine Verhältnisse) viral gegangen war.

Inzwischen, möchte man meinen, ist der Spruch überall. In Witzesammlungen, bei frechen Sprüchen, SMS von gestern Nacht, auf Frageportalen und Facebookwänden. Ohne Bild, als Bild, mit oder ohne Quellenangabe, mit anderen Leuten als Quellenangabe oder als Eigenschöpfung ausgegeben. In verschiedenen Variationen: im Zug, in der S-Bahn, im Bus oder im Restaurant (was auch Sinn macht, denn U-Bahn ist etwas zu speziell für manche Landstriche). Eine Kopie hat mehr Favs und Retweets als das Original. Die Moderatorin eines Münchener Radiosenders hat ihn sich zugeschrieben. Das Beste: Jemand beschuldigt jemanden, diesen Spruch bei der Süddeutschen geklaut zu haben (diesen Link finde ich leider nicht wieder).

Gelegentlich werde ich von netten Menschen darauf hingewiesen, die der Tweetklau bekümmert und die die Tweetklauenden konfrontieren. Ich finde es gut, wenn junge Leute Emotionen empfinden, aber die Wahrheit ist leider: Ich spüre nichts dabei. Ich kann beim besten Willen nicht das Gefühl aufbringen, dass dieser Spruch in irgendeiner Weise mir gehören würde. Weder kann ich ihn kontrollieren noch verspüre ich das Bedürfnis danach. Er ist ein Kulturgut geworden. Ein interessanter Vorgang, zweifelsohne, aber rein emotional könnte es genausogut jemand anderem passiert sein.  Ich selbst empfinde ihn mittlerweile fast als generischen Witz, als klassisches Muster. Gelegentlich bekam ich sogar Zweifel, ob ich ihn mir wirklich ausgedacht habe. Dann suchte ich bei Google nach älteren Vorkommen, fand aber natürlich keine.

Nun. Ich habe Kultur in Aktion erlebt. Wenn ich mich beschwere, was soll dann erst derjenige sagen, der zuerst den Spruch „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ formuliert hat? Der hätte wirklich Grund dazu. Und vielleicht ist es sogar besser so, denn der Erfolg hat mir den Spruch entfremdet, ihn in meiner Einbildung mit populistischem Eifer gegenüber Bahntelefonierern aufgeladen, der vielleicht viel besser zu einer Münchener Radiomoderatorin mit künstlicher Lachkonserveneinspielung passt als zu mir. So bin ich gar nicht.

Was natürlich auch gesagt werden muss: Die Situation wäre sicher eine andere, wenn es in einem singulären Vorfall kommerziell verwertet worden wäre oder wenn ich mich von meinen Tweets ernähren müsste. Und womit ich nicht unbedingt gerechnet hätte: Das Bumerang kommt jetzt von der anderen Seite zurück. Jemand hat so oft die Kopie gelesen, dass er nun das Original für den Nachahmer hält. Zuerst dachte ich noch, es wäre ironisch gemeint. Aber wäre es ironisch gemeint, wozu sollte der Account mich dann blocken, so dass ich seinen Tweet noch nicht mal faven kann?

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Twitter Krimi – Teil 3

Im folgenden nun der 3. Teil des Twitter Krimis, der leider der schlechteste von allen ist, aber da er nunmal den Schluss enthält, auch veröffentlicht werden musste.

Der Entfolger

Ein Mordfall in der schnellsten Szene der Welt

by xbg

Teil III

„Bei diesen Designern weiss man nie,“ sagte @mspro zum Kommissar, als sie sich entfernten. „Latte macchiato ist bekanntermaßen eine sehr gefährliche Substanz. Mit der Zeit können die Abhängigen nicht mehr zwischen Tweet und Realität unterscheiden. Traurig.“
„Auf der anderen Seite“, wandte @343max ein, „wie viele Tweets wäre nicht geschrieben worden? Wie viele iPhones nicht gekauft? Aber ich halte diese Kreativhippies eigentlich für komplett harmlos.“
„Ja,“ sagte der Kommissar, „anders als die Kreativen auf hartem Ritalin. Was das bei @karstenloh gefundene Ritalin angeht, habe ich schon einen Verdacht.“

Mittlerweise waren sie bei @kathrinpassig angekommen. @kathrinpassig war eine schillernde Größe in der Kreativ-Szene. Nicht nur, dass sie in ihrer Eigenschaft als berüchtigte Ritalinrechts-Aktivistin gern für Foursquare-Eröffnungen gebucht wurde. Sie hatte auch mit ihren Tweets mehrere Literatur-Nobelpreise gewonnnen und unterhielt enge Verbindungen zum Kreativgeheimdienst ZIA.

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Katze im Hinterhof

Eine Geschichte, wie ich mal mit der Katze im Hinterhof war und wie es dann außer Kontrolle geriet.

Die arme Wohnungskatze. Den ganzen Sommer über war sie nur ein paar mal draußen. An einem der letzten schönen Tage im Jahr sollte ich also wenigstens noch einmal mit ihr in den Hinterhof, damit sie mal was anderes sieht. Ich nehme sie also mit runter in den Hinterhof, lasse sie frei und höre einen Podcast.

Später ist es an der Zeit, aufzubrechen. Die Katze ist gelangweilt und wieder in der Box. Ich packe zusammen, nehme die Box und gehe zum Kellereingang, durch den ich den Hinterhof verlassen will. Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln etwas vor mir nach rechts zur Seite huschen. Ich gehe um das Gebüsch und dort steht sie, die Andere Katze, die Katze, die den Hinterhof bewohnt. Ich denke, prima, können sich die beiden doch mal kennenlernen. Die Katze kennt die Andere Katze nur vom aus dem Fenster gucken, von weit oben, und das ist ja kein richtiges Kennen, eher vermutlich so wie Internet bei Menschen.

Ich stelle also die Box hin, mit der offenen Tür zu der Anderen Katze. Langsam kommt die Katze raus, und die Andere Katze wird sehr aufmerksam. Die Katze aber scheint relativ gleichgültig, sie schaut zwar ein bißchen die Andere Katze an, aber auch lange zur Seite. Sie ist als Wohnungskatze überhaupt keine anderen Katzen gewöhnt. Während die Katze wegguckt, schleicht sich die Andere Katze an. Und ich denke noch so: das musst Du doch merken, Katze, dass die Andere sich anschleicht. Mir ist ein bißchen unwohl, immerhin ist die Katze behindert und eine Wohnungskatze. Einer kampferprobten Straßenkatze ist sie hilflos ausgeliefert. Aber ich habe noch meine Decke, die ich notfalls nach der Anderen Katze werfen kann. Die Katze jedenfalls ist echt gleichgültig, sie interessiert sich vielmehr für die Gruppe von Gartenzwergen, schleicht zu ihnen und schnuppert arglos. Dann geht sie langsam Richtung Gebüsch, die Andere Katze schleicht hinterher, und das ist nicht so gut, denn die hat bestimmt keine guten Absichten. Ich laufe auch hinterher, aber die Katze wird nur schneller. Die Katze verschwindet im Gebüsch und ich kann nicht hinterher, denn da ist es zu dicht. Ich muss zurückgehen, um einen Bogen zu schlagen, da höre ich schon Fauchen und das wilde Schreien eines Katzenkampfes. Ich renne nun durchs Gebüsch auf den Lärm zu und ich sehe die Andere Katze nach rechts preschen. Die Katze aber rennt geradeaus vor mir weg und ich denke, das ist jetzt langsam nicht gut, es wird ja auch schon dunkel und ich kann sie kaum ausmachen. Dann bleibt die Katze am Zaun sitzen und ich sehe, dass ein Stückchen weiter unter dem Zaun freigebuddelt ist, dass sie da durch könnte und das wäre überhaupt nicht gut, denn die Andere Katze ist ja vermutlich auch noch auf der Jagd nach ihr. Die Katze sitzt da und ich hole das Trockenfutter aus der Jackentasche und klimpere damit, aber davon läßt sie sich nicht beeindrucken. Ich halte es ihr hin und komme gebückt langsam näher. Dann flieht sie wieder, durchs Gestrüpp, ich hinterher, versuche sie zu fassen, Brennesseln treffen meine Hände, an einer Stelle blutet es, aber das merke ich erst hinterher. Langsam kriege ich Panik, wie die Katze offenbar auch. Ich habe keine Ahnung, wie ich sie kriegen soll und wie lange das noch so gehen soll und ob die Andere Katze sie erwischt, wenn ich nicht hinterherkomme. Aber dann wirft sie sich auf den Rücken in Verteidigungshaltung und ich werfe die Decke auf sie und versuche sie damit zu fassen, sie wehrt sich heftig. Ich würde ungern meine bloßen Hände ins Spiel bringen, die haben schon Erfahrung mit ihren Krallen gemacht, allerdings macht die Decke die Katze wahrscheinlich noch panischer. Sie schreit wie im Todeskampf, vermutlich wähnt sie sich auch in einem, sie windet sich mit dem ganzen Körper, sie entwindet sich und läuft wieder. Es ist inzwischen schon ziemlich dunkel, erst recht hier, ich sehe sie nur als Schemen zwischen den Pflanzen. Dann ist sie wieder auf dem Rücken. Ich denke, diesmal gilt es, ich kann sie nicht entkommen lassen, wieder mit der Decke, ein wahnsinniger Kampf, quälend lautes Geschrei von der Katze, ich muss mit aller Kraft zupacken, sie windet sich wie eine Robbe, entgleitet fast, endlich habe ich sie oben. Es ist dunkel und ich kann sie nicht sehen und ich frage mich kurz, ob es überhaupt die richtige Katze ist, aber jede andere hätte ich vermutlich nicht so schnell erwischt, so einfach hat sie es ja auch nicht mit ihrer Behinderung in unbekanntem Gelände. Als ich sie oben habe, ist sie plötzlich völlig ruhig. Ich trage sie zur Box und tue sie ohne Gegenwehr hinein, schließe die Tür und atme tief durch.

Also, wenn man sowas zusammen durchmacht, mit so ner Katze, also, das schweißt ja schon irgendwie zusammen.

Anmerkung: Ich verwende Katze im generischen Feminina. Das stellt ledglich die Gattungsbezeichnung dar, Kater sollen damit nicht ausgeschlossen werden.

Get Amen

Wie man hört, besteht der Kern der Sucht nach sozialen Medien keineswegs darin, etwas über andere zu erfahren, sondern vielmehr Bestätigung und soziales Feedback zu bekommen. Das neue Netzwerk Amen scheint diese urmenschliche Triebfeder gleichsam in-a-Nutshell herauszusezieren und in konzentrierter Form als Motivator zu verwenden. Denn die Zustimmung hat hier einen zentralen Platz.

Auf Amen kann man nicht viel mehr tun, als einfache Aussagen in den Raum zu werfen sowie solchen zustimmen oder sie mit einer Gegenthese zu versehen. Die Aussagen bekommen durch den unveränderlichen Kern „is the Best“ oder „is the Worst“ leicht den Charakter einer Meinung. Je mehr Amens die eigenen Aussagen als Zustimmung erhalten, desto mehr kann man sich als Meinungsführer fühlen. Am Anfang ist nicht ganz klar, wozu dieser Dienst dienen soll und von offizieller Seite gibt es dazu auch keine Hinweise. Aber stand das dem Erfolg sozialer Netzwerke jemals im Wege?

Die bestehenden Aussagen in der Beta-Phase haben zunächst die übliche Mischung aus Ironie, persönlichen Aussagen und Empfehlungen. Die Kategorisierung in Things, Places und People hinterässt jedenfalls den Eindruck, dass es als Bewertungs- und Empfehlungsplattform gedacht ist. Wenn Twitter Informationen auf Steroid ist, dann könnte die starke Verkürzung der Aussagen auf einen Meinungskern Amen zu einer Empfehlungsplattform auf Steroid machen.

Einerseits wird man sich von Dingen und Plätzen, die Freunde empfehlen oder vor denen sie warnen, inspirieren lassen können, ähnlich wie bei Blippy.

Andererseits könnte man sich durch die Statistik zu vielen kleinen, nebenbei abgegebenen Aussagen zu einem Platz eine Meinung bilden, statt sich durch 10 Restaurantkritiken auf Qype zu wühlen und versuchen herauszufinden, ob der Verfasser eines Verrisses einfach ein Irrer ist, ganz andere Ansprüche hat oder genauso tickt wie man selbst. Das ist vielleicht nicht unbedingt die fundiertere Bewertung, aber deutlich schneller – und das ist, was heutzutage zählt. Gerade mobil.

Ob durch Amen Hypes schneller und besser sichtbar werden bleibt abzuwarten. Aber wenn Amen es tatsächlich schafft, eine hohe Aussagenmenge zu Dingen und Plätzen zu akkumulieren, dann könnte es durchaus nützlich werden.

Kommunismus in Tempelhof

Besonders die entspannte Atmosphäre ist, was mir auffällt, wenn ich den stillgelegten Flughafen Tempelhof besuche. Es gibt dort Kleingärtner, Fußballspieler, Leute mit Lenkdrachen und Leute mit allerlei ferngesteuertem Zeug, Juggernauten, Fahrradfahrer, Skater, Windsurfer, Picknicker, Griller, Familien, Hundehalter usw. Normalerweise würde man bei solch einer Vielfalt Stress und Interessenskonflikte erwarten, aber die riesige Fläche sorgt dafür, dass sich die Leute gut aus dem Weg gehen können und es dazu noch spezialisierte Plätze für verschiedene Gruppen gibt. Selbst die kleinen Kinder, die ständig den Fahrradfahrern in den Weg laufen, sorgen nicht für Stress.

Inzwischen wurde eine Fläche für eine neue Randgruppe eingerichtet: Leute, die gern auf Heuballen rumliegen. Gestern zog es zwar viele Menschen in den Park, da es der vielleicht letzte schöne Sonntag im Jahr war, aber dennoch blieben genug Heuballen für alle, die welche wollten.

Was folgt daraus? Offenbar bedarf es nicht viel mehr als ein sattes Überangebot – und die Abwesenheit des raubtierhaften Konkurrenzdrucks wird sich in einer spürbar angenehmen Atmosphäre niederschlagen. Den nächsten Kommunismus also bitte nicht aus der Mangelwirtschaft, sondern aus der Überflußgesellschaft starten.

Zwei Jahre @xbg auf Twitter

Letzthin wurde ich informiert, zwei Jahre auf Twitter zu sein:

Heute 2 Jahre auf Twitter: @ZDNet_de, @tomkolbe, @silicon_de, @boell_stiftung, @xbg und @einfallsreichtv22. 01. 2011 via Twopcharts

Außerdem erkannten gleichzeitig mit mir die Zeichen der Zeit: n-tv Netzreporter, Verfassungsgericht, HeinrichBöllStiftung, Redaktion ZDNet.de und die Mädchenmannschaft. Mit anderen Worten: für einen netzkulturaffinen Menschen war ich deutlich zu spät dran.

Eigentlich wollte ich ja schon früher einen Account anlegen. Als Fan der Riesenmaschinenbesatzung war es nur logisch, die Twitteraccounts von Kathrin Passig und Sascha Lobo zu lesen. Aber ich tat es zunächst mittels Bookmark im Browser. Für einen eigenen Account hatte ich zwar im Sommer 2008 eine Idee, die ich aber mangels Faulheit nicht umsetzte. Schade, denn je früher der Zeitpunkt, destso kleiner und durchlässiger die Szene. Andererseits vielleicht auch ganz gut so, denn sonst hieße ich nun @3monateneukoelln, oder ähnlich.

Der Kristallisationspunkt war dann für mich, dass sich ein Freund, @hesk, einen Account anlegte. Zu dem Zeitpunkt erstellte ich neue Accounts prinzipiell mit neuen Internetidentitäten und musste mir folglich auch einen neuen Nick für Twitter suchen. Außerdem hatte ich mir eingeredet, dass auf Twitter ein kurzer Name besser sei. Alle zweibuchstabigen Namen schienen zu diesem Zeitpunkt schon vergeben. Da ich damals in Kreuzberg wohnte, bildete ich dann schließlich den Namen durch maximale Verkürzung dieses Wortes. Als ich dann die Buchstabenfolge hingeschrieb, paßt auf einmal alles. Allerdings sehe ich es nicht so, dass xbg wirklich Kreuzberg bedeutet, es ist nur davon abgeleitet. Aber, hoffentlich kreuzbergig genug, so war damals mein Ausblick:

Ich führe einen unchattigen Twitteraccount und konsequenterweise habe ich mich am Anfang auch nicht mit einem „Hallo Welt“-Tweet aufgehalten, sondern mit einer wirklich wahren Geschichte begonnen. Die ID des Tweets ist mit 1140409447 immerhin schon einen zehnstellige Nummer, aber in Anbetracht der momentan üblichen Siebzehnsteller ist das wirklich niedlich!

Wie kann in ein paar Tagen nur so viel aus dem großen Honig-Pott verschwinden? – Sie haben wohl Yogi-Tee Orgien gefeiert, als ich weg war..Di 22. 01. 2009 22:43 via web

Am Anfang twitterte ich noch berichtender über mein Leben (besuchte Konzerte, gelesene Bücher etc) und nicht so abstrahiert wie heute. Auch war es damals noch üblich, Hashtags zur weiteren Erklärung (oder zur ironischen Brechung) zu verwenden.

Nein, S., was Du machst ist keine Lohnarbeit, sondern staatlich alimentierter Schnickschnack. #osi-mitarbeiter #proletenkultDi, 12. 02. 2009, 12:21 via web

Im Mai 2009 hatte ich dann den ersten Tweet, der für meine damaligen Verhältnisse viral ging und sogar in @withoutfields Blog landete:

http://twitpic.com/63xfb – Na endlich tun die mal was gegen diese verdammten Falschparker!Do, 28. 05. 2009 11:11 via TwitPic

Meine Followerschaft stieg langsam, aber stetig. Da damals noch nicht alle so Timeline-gesättigt wie heute waren, konnte es durchaus vorkommen, dass man zurückgefolgt wurde. @kathrinpassig etwa folgte zurück, @saschalobo nicht. Letzterer veranstaltete von Zeit zu Zeit aber kleine Wettbewerbe, deren Gewinner er empfahl. Die Folge war ein Tsunami von Neufollowern. Es mag zwar ähnlich peinlich wie für Schauspieler ihre frühen Pornofilme sein, aber einmal bewarb ich mich erfolgreich um eine von 10 Empfehlungen mit folgendem Tweet. Nun – ich war jung und brauchte die Follower!

@saschalobo Lieber netter Twittergott, empfiehl doch bitte meinen Twitterschrott!Fr, 17. 04. 2009 12:21 via TweetDeck

Sprünge in der Followerzahl brachten auch Twittertreffen. Das erste Twittertreffen, an welche ich teilnahm, war ein gewisses Twexicana, das zweite dann ein recht großes Treffen im Ballhaus Ost. Das flashte mich ziemlich, weil es zeigte, dass sich in der Twitter-Szene eben nicht nur Programmiernerds tummelten, sondern auch viele interessante Kreative. Dort traf ich zum ersten Mal Twitterstars wie @euphoriefetzen, @stijlroyal und @schlenzalot. @Vergraemer war damals allerdings noch eine mythische Figur, von der keiner so recht näheres wußte. Und Sascha Lobo bezahlte alle ausstehenden Getränke.

Vodafone hat meine Cola bezahlt. Ich fühl mich schmutzig. #ballhaus09 #loboDi, 11. August 2009, 9:49 via TweetDeck

Und natürlich schossen viele Twittergrößen followermäßig wie Luftblasen an mir vorbei. Den @diktator lernte ich auf einem Jour Fitz kennen, als er noch unschuldige 100nochwas Follower hatte. Damals war ich noch in der Position, ihn empfehlen zu können. Man möge sich das mal vorstellen!

Oh nein, der @booldog hat schon den @diktator empfohlen. Das wollte ich doch machen. Dann empfehl ich jetzt hier gar nichts mehr! #ffFr, 04. 12. 2009 17:54 via TweetDeck

Heutzutage wäre das natürlich ein Witz. Wenn @diktator nachts in einer Kneipe betrunken in sentimentale Stimmung verfällt, Mitleid mit mir bekommt und mich seinen mehr als 10.000 Followern empfiehlt, dann bringt mir das mehr Follower, als er damals bei unserem ersten Treffen überhaupt hatte.
Ach, die Kinder werden so schnell erwachsen!

Eine ähnliche Situation verdeutlichte ich mit einer Grafik über die Followerentwicklung von @n303n und mir.

http://twitpic.com/eotau – Wie man deutlich sieht: @n303n hat mich für @matola verlassen. http://ow.ly/kOhu Was hat er, was ich nicht habe?Fr, 21. 08. 2009 06:55 via TwitPic

Zum Jahreswechsel 2009/2010 spendierte mir @spreequell ein Redesign meines Avatars. Ihre Motivation war schlicht, dass sie meinen alten Avatar nicht mehr in ihrer Timeline ertrug. Dieser schien sowieso eine Art Rorschachtest für diejenigen zu sein, die ihn nicht vergrößerten. Die Interpretationen reichten von Hexe über Robbe bis zu Kakerlake.

<- alt | neu ->

In der Vergrößerung aber klar zu erkennen als Vogel, der einen Menschen verschlingt. Man kann das als Allegorie auf Twitter begreifen: das durch den Vogel symbolisierte Twitter frisst den Menschen oder kürzer: Twitter fressen Seele auf.

Das Bild stammt aus einem Grafitti, welches sich in Kreuzberg Glogauer / Ecke Reichenburger Straße befand. Inzwischen ist es leider nicht mehr da. Leicht bearbeitet ist es dann auch mein Twitterhintergrundbild geworden. Das Original sah so aus:

In der Folgezeit ging das alles erst richtig los: Jour Fitz, @n303n wurde nach Berlin geholt, Twitterkrimi, Margarete F., re:publica, virale Tweets, im Twitterbuch zitiert, von @Frauenfuss gemalt, für eine Abschlussarbeit interviewt, meistgefavter deutscher Tweet, 2000 Follower etc. pp.

Aber das sind andere Geschichten, die Opi vielleicht ein ander Mal erzählt.

Halloween im Wrangelkiez

Diesen Text schrieb ich am 31. Oktober 2005 anlässlich meines kurz zuvor erfolgten Einzugs in den Wrangelkiez. Der Wrangelkiez war damals noch verrufen. Glaube ich.

Da hatte ich doch extra beim Angestelltenschinder Lidl noch Zyankali Kaubonbons mitgehen lassen, um auf den Ansturm netter, knuffiger, originell verkleideter Halloween-Kinder vorbereitet zu sein. Aber als bis gegen 22 Uhr niemand kam, dachte ich schon, nun müsse ich den Mist alleine aufessen. Kurz darauf klingelte es dann aber doch. Freudig ergriff ich die Tüte Bonbons und eilte zur Tür. Draußen standen zwei ca. 11-jährige Kinder. Dem einen hing eine Totenkopfmaske lustlos um den Hals. „Hey Mann, schmeiß Tüte rüber, oder isch hol großen Bruder.“ murmelte er in seinem depravierten Gossendeutsch. Ich stand wohl einen Augenblick zu lange verdutzt da, da er mir dann die ganze Tüte aus den Händen riss. „Und mach disch locker, Mann!“ rief er noch, als sich beide die Treppe runter trollten.

„Meine Güte!“ dachte ich. „Damit ist ja Halloween für mich gelaufen.“ Aber der Alptraum sollte erst losgehen. Wieder klingelte es. Noch etwas benommen von den Ereignissen ging ich zur Tür. Draußen drei ca. 14-jährige in gruseligst prolligen Markenklamotten. „Eh Alta, schieb dein scheiß Handy rüber, aber fix, sonst tret ick dir aba richtig in die Eia.“ Ich kramte mein Handy hervor, um zu beweisen, dass mein Vorkriegsmodell mit der abgebrochenen Antenne keinesfalls begehrenswert war. Prompt boxte mir jemand hart in den Bauch, so dass ich mich krümmte und das Handy zu Boden fiel. „Willste mir verarschen, oder wat?“ vernahm ich eine zornige Stimme und einer hob den Fuß und trat mit voller Wucht mehrmals auf mein Kommunikationsutensil ein, bis es in viele Stücke zersprungen war. „Verarsch uns nich, Alta. Lass mal deine Schuhe sehen.“ Verzweifelt wies ich auf meine jahrealten, angebleichten Boots, die im Flur standen. Dafür erntete ich promt einen Tritt wie angekündigt. Mit einem lakonischen „Lass dich hier nich mehr blicken, Alta, sonst haste keine Freude mehr.“ zogen sie dann endlich ab.

Ich hätte nicht gedacht, dass so ein Satz außer meiner Freundin noch mal jemand zu mir in meiner eigenen Wohnung sagen würde. Naja, das ist halt die harte Schule des Lebens. 20 Minuten später, als ich mich gerade erst von dem Schmerz und dem Schock erholt hatte, klingelte es Sturm. Aufmachen brauchte ich gar nicht, denn nach zwei ungeduldigen Tritten gegen die Tür flog diese auch schon auf. Ein vielleicht 16-jähriger kam rein und fuchtelte mit einem Messer und hinter ihm betrat noch einer meine Wohnung mit einer Knarre in der Hand. „He, wo is dein Kram, Laptop und so, du alte Scheiße?“ schrie er und ohne eine Antwort abzuwarten stürmte er weiter in mein Zimmer. Er riss Schränke auf, schmiss meinen Monitor vom Schreibtisch, aber konnte offenbar nichts finden, was ihn interessierte. Wütend kam er wieder auf mich zu. „Ey, was soll das, du alte Scheiße, willst du misch ficken? Hast du nur Scheiße hier?“ – „Das ist alles“, murmelte ich. „Ey, merkst du noch was? Keiner fickt Ali, auch du nisch, du Hurensohn.“ Ich verstand schon gar nichts mehr, das war mir zu wirr. Da hob der andere seine Knarre und – blam – schoß mir ins Knie. Ich fiel blutend zu Boden und hörte noch, wie sich die beiden schimpfend entfernten. „Warum wohne ich nicht lieber bei den ganzen netten, jungen Muttis im Prenzlberg?“ ging mir noch durch den Kopf, als sich die Welt in einen grauen Schleier der Ohnmacht verabschiedete. Halloween im Wrangelkiez.

Über Fakeaccounts

Wenn wir den Namen ruhrbarone ruiniert haben, machen wir halt mit ruhrBild weiter. Na und?Tue Jun 01 13:16:59 via web

Das Phänomen der Fakeaccounts sorgt auf Twitter für eine Menge Spaß und Verwirrung. Aber neben all dem Spaß können sie auch ernste Funktionen erfüllen: Zynismus, PR-Gefasel und Populismus auf den Punkt bringen. Prominente Vertreter dieser Zunft sind solch legendäre Klassiker wie @bpglobalPR und @israelglobalPR. Lachen bis es schmerzt – für die Aufklärung.

Nehmen wir aber zum Beispiel mal die folgende, weit kleiner dimensionierte Geschichte. Die Macher des Blogs ruhrbarone haben eigentlich den Anspruch, als Journalisten „das Revier zu bloggen“. Sie sind aber eher für ein oft unterjournalistisches Niveau bekannt und dafür, ihr Blog immer wieder als Plattform für populistische Abrechnungen mit ihren Lieblingsgegnern zu nutzen, auch wenn das gar nichts mit dem Rurhrpott zu tun hat. So war es im Juni 2010 auch der Fall mit einem Bild-artigen Kommentar über die Verurteilung von Jörg Tauss. (Wobei das genau genommen das falsche Wort ist, denn eigentlich berichtete die Bild noch vergleichsweise fair über Jörg Tauss.) Der Artikel der ruhrbarone enthielt einige hasserfüllte Schmähungen, nachzulesen u.a. bei Reizzentrum (1), Reizzentrum (2), Politblogger, Tante Jays Cafe, wirres.net.

Obwohl in der Netzgemeinde kontrovers über Tauss diskutiert wurde, waren diese niveaulosen Angriffe dann doch zu viel und die ruhrbarone gerieten in einen kleinen Shitstorm auf Twitter und in Blogs. Wenngleich sich die ruhrbarone im großen und ganzen uneinsichtig zeigten, wurde ihr Artikel dann mehrmals – in einigen Punkten heimlich – geändert.

In dieser Situation betrat der Twitter-Account ruhrBild die Bühne. In Ergänzung zu ruhrbarone verbalisierte dieser Account die vermutlichen Gedanken der ruhrbarone, wehrt sich gegen Kritiker und bedankte sich bei den vereinzelten Unterstützern. Mehr oder weniger subtil nimmt er den Populismus der ruhrbarone auf die Schippe. Ein typische Antwort auf einen Kritiker sieht in etwa so aus:

Herrje, ist das eine unterirdische Scheisse von den @ruhrbarone – Schade, dass ich mein Abo nicht kündigen kann ,( #taussTue Jun 01 13:45:03 via Seesmic

Belesen Sie sich erstmal über den Unterschied zwischen Journaillismus und Journalismus ehe Sie meckern, @joschaefers! Wir machen ersteres!Tue Jun 01 15:18:38 via web

Dem Vorwurf der „klammheimlichen Änderung“ und daraus folgenden Vergleich mit dem „Ministerium für Wahrheit“ vom Reizzentrum tritt ruhrBild energisch und vor allem glaubhaft entgegen:

„Ministerium für Wahrheit”-Vergleich ist verfehlt, @reizzentrum! Passen Sie das an oder wir schicken die Profis unserer Änderungsabteilung!Tue Jun 01 17:20:59 via web

Bekanntlich ist keiner völlig unschuldig und ruhrBild nutzt das natürlich für sich:

Ob irgendjemand bei den Ruhrbaronen merkt, wie ihre Tauss-Kampagne ihrem kompletten Projekt die Glaubwürdigkeit weg fräst?Tue Jun 01 12:59:44 via Echofon

Hören Sie auf mit Ihrer Kampagne, @sebaso! Sonst recherchieren wir mal Ihre Befriedigungsvorlagen.Tue Jun 01 13:56:32 via web

Auf einen von Kotzmethaphern durchtränkten Artikel eines bekannten Bloggers findet man die richtige freundliche und sachliche Antwort:

Mein lieber Herr @diplix! Wenn Sie mal tief in unseren Kotzkübel schauen wollen, dann warten Sie ab, bis wir über Ihre Frisur berichten!Thu Jun 03 08:57:52 via web

Als die ruhrbarone wegen ihrer falschen Darstellung kritisiert werden, dass sich die Recherchen von Tauss um die Verbreitung von Kinderpornographie im Netz gedreht hätten, reden sie sich damit heraus, mit „Netz“ gar nicht das Internet zu meinen. ruhrBild leistet da natürlich sofort wertvolle argumentative Schützenhilfe:

Mit „Netz“ meinen wir eigentlich gar nichts. Logisch, denn ein Netz besteht doch zum größten Teil aus Löchern!Tue Jun 01 14:00:28 via web

Überhaupt, Kritik ist kein Grund nachdenklich zu werden, sondern eher Anlaß für eine ordentliche Generalabrechnung:

Empörend, wie einige hier die Freiheit des Netzes für Twitterterrorismus mißbrauchen!Tue Jun 01 14:14:14 via web

Ok, wir geilen uns an detaillierter Beschreibung von Kinderpornos auf. Aber unsere Kritiker gehen auf „Shitstorm“ ab! Eklige Analperverse!Tue Jun 01 16:47:52 via web

ruhrBild ist sich aber auch nicht zu fein, einen echten Dialog mit seinen Kritikern zu suchen:

Achja, wer wie @Ruhrbarone klammheimlich Artikel abändert, der verdient die Bezeichnung „Journalist“ absolut nicht. Stichwort: klarstellungTue Jun 01 16:42:20 via Echofon

„klammheimlich Artikel abändert“ müssen wir dementieren, @JohannesHoppe. Dank Werbeeinnahmen durch hohen Traffic sind wir gar nicht klamm!Tue Jun 01 17:45:39 via web

Hochmut #ruhrbarone RT @ruhrBild: klammheimlich Artikel abändert müssen wir dementieren[…]Dank Werbeeinnahmen[…]sind wir gar nicht klammTue Jun 01 18:35:53 via Echofon

Blöd! Kaum hat man sich mal einen vermeintlich Schwachen zum Nachtreten rausgesucht, kommen seine Internet-Freunde! Wie gemein ist das denn?Tue Jun 01 18:45:56 via web

Ich bin fasziniert von @ruhrBild . Da zwitschert gerade ein beleidigtes Vöglein. Unglaublich. So ein Bullshit ist echt selten! #RuhrbaroneTue Jun 01 18:47:04 via Echofon

Na Sie haben gut reden, @JohannesHoppe. Kann doch keiner ahnen, dass ein am Boden liegender noch zurücktreten kann!Tue Jun 01 18:55:13 via web

Denn tatsächlich ist zu beobachten, dass die meisten, die selbstverschuldet in einen Shitstorm geraten, auf bemerkenswerte Weise zwischen Arroganz und Wehleidigkeit schwanken. Auch ruhrBild kann sich diesem Phänomen nicht entziehen:

Warum mag uns keiner mehr? Nur weil wir unserem Tourette-Redakteur Freigang gewährt haben?Tue Jun 01 14:39:50 via web

Danke für Ihre Solidaritätsadresse, @exilanti! Wir werden sie ausdrucken und rahmen – der Beweis, dass wir nichts falsch gemacht haben!Wed Jun 02 11:28:59 via web

Das journalistische Verständnis und der Tiefgang der ruhrbarone stellt ruhrBild „in a nutshell“ dar:

Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass „Tauss“ und „Terrorist“ mit genau dem selben Buchstaben anfangen? Da recherchieren wir weiter!Wed Jun 02 17:08:19 via web

Schließlich treibt ruhrBild den Populismus der ruhrbarone symbolhaft auf die Spitze:

Wir machen unbeirrbar weiter mit den Entlarvungen von Schutzbehauptung – bis die Volksseele kocht!Tue Jun 01 13:51:53 via web

Wir sind ja auch keine Freunde der Braunen. Aber die haben „TODESSTRAFE FÜR KINDERSCHÄNDER“ Autoaufkleber! Gleich ein paar bestellt.Wed Jun 02 09:24:34 via web

Glücklicherweise bekommen die ruhrbarone schließlich doch noch einen prominenten Führsprecher: das Piratenweib! Bei ihr bedankt sich ruhrBild besonders herzlich für die Unterstützung:

ENDLICH denkt mal eine an die Kinder! Danke, @Piratenweib!Wed Jun 02 07:12:00 via web

@ruhrBild Bitte, gerne. Ich finde alle privaten Blogger sollten euch unterstützen. Ich denke, ich werde nochmal dazu bloggen.Wed Jun 02 12:55:55 via web

Danke nochmal, @Piratenweib. Wir würden uns mit einem „TODESSTRAFE FÜR KINDERSCHÄNDER“ Aufkleber revanchieren. Für Auto o. für Kinderwagen?Wed Jun 02 13:35:36 via web

@ruhrBild Ihr seid dumm. @ruhrbaroneWed Jun 02 14:25:11 via web

Aber … das Angebot war doch nur nett gemeint! Versteh das einer. Frauen!

Jetzt hat sich auch @Piratenweib gegen uns gewendet. Das haben wir nicht verdient! Oh Gott, was müssen wir noch erleiden?Wed Jun 02 16:16:09 via web

Epilog:

Der Account ruhrBild wird sich von dieser Abfuhr nie mehr so recht erholen und seine Arbeit bald einstellen. Offenbar verfolgte er keine höheren Ambitionen. Um bekannt zu werden, folgen viele Fakeaccounts aus dem Stand den üblichen Vertretern der Twitter-Elite. ruhrBild hingegegen unterließ derartige Anstrengungen sowie Suchspamming und blieb ein kleines, temporäres Projekt.

Die ruhrbarone ignorierten freundlich ihren Doppelgänger, zur beiderseitigen Zufriedenheit. Was aus ihnen geworden ist, wissen wir nicht.

Wenig später wird Piratenweib tatsächlich einen langatmigen Artikel zur Verteidigung der ruhrbarone schreiben. Sie schafft es allerdings in keinster Weise, auf die ursprünglichen, üblen Formulierungen im Artikel der ruhrbarone einzugehen, selbst als sie von Kommentatoren darauf angesprochen wird. Diese Ignoranz ist vermutlich einer der Gründe, wieso sie in Diskussionen nicht immer ernst genommen wird. Heute wie damals ist Piratenweib ein beliebtes Ziel für Trollereien und Shitstorms.